Nikolaus seit Jahrhunderten verehrt Der Nikolaus geht auf den bekannten Volksheiligen Nikolaus von Myra zurück. Über sein Leben sind kauen historische Daten bekannt. Daß er als Bischof von Myra am Konzil von Nicäa 325 teilnahm und 350 starb, ist fast alles, was die Geschichte berichtet. Seit etwa dem 5. Jahrhundert wird Nikolaus verehrt. Sein Leben wurde im Laufe der Jahrhunderte mit vielen Geschichten ausgeschmückt. Das Fest Nikolaus, der 6. Dezember, ist mit vielen Volksbräuchen verbunden. Die Sagen berichten: Einst hörte Nikolaus von einem verarmten Mann, der sich aus Armut schließlich entschlossen habe, seine drei Töchter dem Laster der öffentlichen Liebe preiszugeben. Dreimal habe Nikolaus Geld durch das Fenster des armen Mannes geworfen, um die Unschuld der drei Töchter zu retten. Die dritte Nacht harrte der Arme, aus um seinen Wohltäter zu erkennen. Er warf sich ihm zu Füßen, doch Nikolaus habe ihm aufgehoben und habe zu ihm gesagt, daß dies nur die Pflicht eines Christen sei, er solle es aber niemanden offenbaren. Als der Bischof von Myra neu besetzt werden sollte, versammelten sich die Geistlichen. Dem Ältesten sei die Erleuchtung gekommen, dieses Amt demjenigen zu geben, der am anderen Morgen zuerst in die Kirche komme. Da diese Eingebung im Gebet erfolgt sei, schlossen sich alle Geistlichen diesem Vorschlag an. Nikolaus wußte von alledem nichts, als er am Morgen als erster die Kirche betrat, um Gott zu bitten, daß dieser einen würdigen Hirten einsetzen möge. Zur allgemeinen Freude wurde er nun selbst Bischof. Er selbst habe aber öffentlich ausgerufen, daß er der Unwürdigste für solch ein hohes Amt sei. Als seine Einsetzung als Bischof allgemein bekannt wurde, sei auch eine Frau in die Kirche gekommen um sich von der Wahrheit Z11 überzeugen. Als sie wieder nach Hause kam, fand sie ihr Kind vor dem Herd liegend völlig verbrannt vor. Sogleich nahm sie ihr Kind auf den Arm und trug es vor dem Bischof. Dieser segnete das Kind und das Wunder geschah, das Kind wurde wieder lebend und war ganz heil. Zweimal habe der Bischof Nikolaus auch je drei unschuldig zum Tode verurteilte Männer errettet. Der heilige Bischof wird mit verschiedenen Attributen dargestellt, sie entstammen aus verschiedenen Legenden. So sieht man den Heiligen oft mit einem Buch und drei Goldkugeln darauf (Legende von der Errettung der drei Jungfrauen). Weitere Bilder zeigen ihn mit drei unschuldig verurteilten Männern. Am Häufigsten wird der heilige Bischof mit einem Bottich und drei unbekleideten Knaben abgebildet. Die Legende berichtet hier, daß ein böser Wirt diese Knaben zerstückelt habe und Nikolaus sie wieder zum Leben erwecken konnte. Wird er mit einem Schiff und einem Anker dargestellt, dann liegt dies der Legende zugrunde, daß er drei Pilger aus Seenot gerettet habe. Erst im 15. Jahrhundert trägt Nikolaus drei Brote in der Hand, die auf die Legende vom Getreidehändler verweist. Die Zahl „drei“ spielt demnach bei dem Heiligen eine besondere Rolle. Nikolaus ist der Patron vieler Länder, Bistümer und Städte, vor allem aber der Schutzheilige der Kinder. Aber auch Apotheker und Parfümeriehändler, Bäcker, Kaufleute, Krämer, Kornmesser und Getreidehändler, Samenhändler, Weber, Spitzenhändler und Tuchmacher verehren ihn. Darüber hinaus gilt er auch als Patron der Notare, Metzger, Seeleute, Bierbrauer, Fischer, Pilger und Reisenden. Angerufen wird Nikolaus für die Befreiung von Gefangenen, gegen Diebstahl, falsches Urteil und gehen Gefahren des Wasser sowie Für eine glückliche Heirat und für die Wiedererlangung gestohlener Sachen. Gunter Großer Blick zurück in ferne Zeit 360 finden sich in der römischen Kirche die ersten Spuren einer Weihnachtsfeier (MW). Die ersten Spuren einer Weihnachtsfeier finden wir erst um 360 in der römischen Kirche, während Karfreitag und das Osterfest schon im apostolischen Zeitalter gefeiert wurden und Himmelfahrt und Pfingsten im 2. Jahrhundert festgelegt war. Einige Jahrzehnte nach der ersten römischen Weihnachtsfeier fand das Fest auch im Orient Eingang. Es dürfte im allgemeinen verwunderlich erscheinen, weshalb gerade der 25. Dezember als erster Weihnachtsfeiertag festgesetzt wurde, denn von Jesus ist weder der Geburtstag noch das Jahr genau bekannt. Wie heute die Sehnsucht der Menschen oft auf eine „bessere, schönere Zeit“ gerichtet ist, so ging schon das Sehnen der alten Römer zurück in ein „goldenes Zeitalter“, in dem die Menschen ein schuld und sorgenloses Dasein führten und die Erde umgepflügt und unbearbeitet die schönsten Früchte hervorbrachte. Der Gott Saturn war bei den Römern für Saat, Wachstum und Ernte verantwortlich. Ihm zu Ehren und zur Erinnerung wurden im heidnischen Rom seit etwa 490 v. Chr. die Saturnalien gefeiert. Anfänglich dauerte das Fest nur feinen Tag, aber der Kaiser Augustus setzte drei Tage dafür an, und unter Tiberius kam noch ein vierter und fünfter hinzu, so daß erst am 24. Dezember das Fest sein Ende erreichte. An diesem Tag war das Fest der Kinder. Sie erhielten Puppen aus gebranntem Ton, Bilder und anderes. Es handelte sich bei diesem Fest auch um die Sonnenwendfeier. Die Sonne hat ihren tiefsten Stand erreicht und wird nun ihre Kraft wieder verstärkt zur Erde senden. Im Gegensatz dazu begannen die Christen Roms im 4. Jahrhundert den 25. Dezember festlich zu begehen und als Inhalt der Feier die Menschwerdung Christi zu feiern. Das gegenseitige Beschenken aus dem heidnischen Fest nahmen sie mit hinüber. Allmählich verschwand der heidnische Kult, und aus den Saturnalien wurde das Fest der Geburt Jesu, das Weihnachtsfest. Bald gewann es an Ausdehnung. Schon im 5. Jahrhundert gab es in manchen Gegenden zwei Feiertage, später waren es vier, dann drei, und seit 1773 hat man wieder auf zwei reduziert. Bei den nordischen Völkern gab es vor der Christianisierung das Julfest. Von diesem Fest nahmen die Germanen noch manche Eigentümlichkeiten mit hinüber in das Christentum, wie zum Beispiel den Christbaum. Galt der Baum im Haus der Germanen zur Winterszeit als Symbol des ewig Beständigen in der ringsum erstarrten Natur, so finden heute seine Lichter und die daruntergelegten Gaben sinnbildliche Bedeutung in den himmlischen Gütern, die der Christenheit durch das Weihnachtsfest beschert sind. Als ein Reifen in der Kirche hing Vor und 150 Jahren entstand der Adventskranz (KH) Es war schon dunkel, und auch der erste Schnee war schon gefallen. Der evangelische Pastor Johann Heinrich Wiehern sucht am 20. November 1848, wie auch jeden anderen Abend, in Hamburg nach Kindern, die kein Dach über dem Kopf haben und auf der Straße um ihr täglich Brot betteln müssen. Vor einiger Zeit wurde das „Rauhe Haus“ gegründet, welches ein Waisenhaus war. Hier konnten die Kinder wohnen, essen, schlafen und einen Beruf lernen An diesem Abend war der Pastor sehr nachdenklich, denn er überlegte, wie er mit den Kindern den Advent gestalten könnte. Als er hinter einem mit Frost umzogenen Fenster eine kleine Kerze brennen sah, kam er auf eine Idee. Er überlegte sich, wie es wohl sein würde, wenn sie jeden Adventsabend eine Andacht feiern würden und er dabei den Kindel Geschichten erzählte und sie gemeinsam Weihnachtslieder singen und bei jeder Feier eine neue Kerzenanbrennen würden. Wenige Tage Später hing in der Kirche des Pastors ein Holzreifen von zwei Metern Durchmesser. Jeden Abend versammelten sich Kinder um ihn herum und jeden Abend leuchtete ein Licht mehr am Kranz, bis alle Kerzen am Weihnachtsfest angezündet waren und der Kranz wie ein Stern funkelte Die Kinder waren so froh darüber, daß sie den Kranz mit Tannengrün schmückten. So kam es, daß vor über l00 Jahren der erste Adventskranz in Hamburg geschmückt war. Da die Idee des Pastors so gut war, hängen heute fast in jeder Wohnung Weihnachtskränze. Von Bernhard 0. Prattler Die Geschichte des Weihnachtsbaums Heidnischer Kult wird im Christentum Erinnerung an den Lebensbaum im Paradies Die ersten Weihnachtsbäume gehen vielleicht schon auf den heidnischen Baumkult bei den Germanen zurück. Das Christentum übernahm ihn und wandelte ihn um: Bäume als Erinnerung an den Lebensbaum im Paradies. Zu erst am Oberrhein, dann in Straßburg stellte man zur Wintersonnenwende ein Bäumchen ins Zimmer und behängte es mit Äpfeln, Oblaten, Zuckerzeug und Flittergold. In Sachsen wird erst 1737 ein Weihnachtsbaum bezeugt. Pfennigstücke als Behang Mit der Zeit wurde der Weihnachtsbaum immer mehr zum Schmuckstück der Weihnachtsstube. Zu dem schon erwähnten Behang kamen die sogenannten Pfennigstücke: kleine gebackene Ringe, Sterne, Vögel. Sie wurden später von Glasfiguren verdrängt, wie Kugeln, Ketten, Eiszapfen und anderem mehr. Gläserne Spitzen oder Sterne krönten den Baum. Wachsengel schwebten in der Höhe. Um 1900 wandelte sich der Geschmack erneut. Der „weiße Baum“, von oben bis unten gleichmäßig mit Silberfäden und Lametta behängt, wurde beliebt. Er ahmte das Winterweiß der Weihnachtszeit nach. Neben Papierrosen, Sternen und Ketten kam der hölzerne Baumschmuck auf. Uralter Kultbrauch war das Anzünden des HeiligAbendLichtes. Der Hausvater selbst vollzog diese feierliche Handlung am Weihnachtsabend wie seine Vorväter, vielfach mit einem Holzspan, wenn die Glocken läuteten. Statt des einen Lichtes wurden dann später die Kerzen am Weihnachtsbaum entzündet: Diese anzuzünden, besonders die hoch oben, genügte der Holzspan nicht mehr. Nüchterne Streichhölzer lösten ihn ab. Die Wachskerzen wurden schließlich verdrängt durch die elektrische Weihnachtsbaumbeleuchtung. Erst 100 Jahre im Erzgebirge Im Erzgebirge ist der Weihnachtsbaum erst in den letzten hundert Jahren populär geworden. Der Erzgebirgler zog im allgemeinen anderen Festschmuck vor, wie den Weihnachtsberg, die Pyramide, Engel, Bergmann und den Schwibbogen. Ein schwebender Bogen Traditioneller erzgebirgischer Weihnachtsleuchter hat Ursprung vor 270 Jahren Besonders in der Weihnachtszeit nutzen wir viele Traditionen, erfreuen uns an Lichtern, Figuren an Bräuchen und kennen oft nicht ihre Herkunft oder ursprüngliche Bedeutung. In den Kreis der vielfältigen Lichtträger, die zur Weihnachtszeit nicht nur in den Wohnungen der Erzgebirger die Festfreude erwartungsvoll steigern helfen, gehört der seit etwa 250 Jahren überlieferte Schwibbogen. Gerade in den vergangenen Jahren ist seine weit über das sächsische Erzgebirge hinausreichende Ausstrahlungskraft als Element eines weihnachtlichen Volksbrauches deutlich zu bemerken. Der erste schmiedeeiserne Leuchter entstand um 1726 Der Name Schwibbogen ist aus der gotischen Architektur abgeleitet worden und bedeutet eigentlich Schwebebogen, das heißt, er bezeichnet einen frei zwischen zwei Mauerkörpern schwebenden und von diesen gestützten Bogen. Der Bergschmied JOHANN TELLER aus Johanngeorgenstadt fertigte um 1726 den ersten schmiedeeisernen Leuchter dieser Art. In der gleichen Bergstadt ist der älteste datierte Schwibbogen für 1730 überliefert. Er zeigt als Bildschmuck das Wappen der Stadt und zwei Berghauer. Auf der Silberzeche „NeuLeipzigerGlück“ (Johanngeorgenstadt) stand ein um 1796 gearbeiteter Schwibbogen, den rings um das sächsische Wappen Bergleute, schwebende Engel und Adam und Eva zierten. Damit sind die charakteristischsten Bildelemente der frühen Stücke umrissen. Aus der Werkstatt von Meister Teller und weiteren Angehörigen seiner Familie gingen viele dieser aus Eisenblech gefertigten dekorativen Weihnachtsleuchter hervor, die je nach Größe mit sieben bis 12 Kerzen bestückt waren. Der Schwibbogen galt zunächst als repräsentatives Geschenk für die Knappschaft und für den Bergmeister, als kostbares Familienerbstück. Seit Ende des 19. Jahrhunderts in den Weihnachtsstuben Mit Beginn des Wirkens der Schnitzvereine seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erweiterte sich die Funktion dieses Volkskunstwerkes und seine Verbreitung: Der Schwibbogen fand Eingang in die Weihnachtsstuben als beliebter Lichtträger, seit dem 20. Jahrhundert auch vielfach aus Laubsägeholz geschnitten oder gar reliefartig bis vollplastisch geschnitzt. Dabei wurden die im Bogen dargestellten Figuren vom Motiv her häufig verändert oder ergänzt: Der Schnitzer, die Klöpplerin, Waldleute und andere für das Erzgebirge typische Personen sowie Figuren der Volkskunst füllen silhouettenartig das Halbrund des Leuchters. Immer wieder, auch in der jüngsten Zeit, kommt es dabei zu neuen, interessanten Variationen. Holzkunst des Erzebirges ist so unverwechselbar Familientraditionen leben in der Weihnachtszeit auf Es gibt wohl kaum eine Familie in Deutschland, die nicht zu Weihnachten in ihrem Wohnzimmer Weihnachtsschmuck aufstellt. Allein das Auspacken, Zusammensetzen und Aufbauen der Pyramiden, Räuchermännchen, Schwibbögen und so weiter in der Adventszeit ist für viele schon eine Familientradition. Besonders beliebt sind hierbei Figuren aus dem Erzgebirge. Wer den einzigartigen Charme der Figuren aus dem Erzgebirge nicht nur bewundern, sondern auch verstehen will, der sollte ein wenig über ihren Hintergrund wissen. Über die Schönheit der Landschaft, die Redlichkeit der Menschen und über die bergmännische Tradition, die das Leben seit Hunderten von Jahren geprägt hat. Nur so sind sie zu verstehen, die liebenswerten kleinen Momentaufnahmen aus dem Erzgebirgischen Leben, die bis hin zum Fräcklein des Nußknackers, zum Jäcklein des Räuchermännchens so lebensecht wirken. „Alles kommt vom Bergmann her“, sagt man im Erzgebirge. Denn die reichen Vorkommen an Silber, Zinn, Kupfer, Blei und anderen Bodenschätzen waren es, die vom 12. Jahrhundert an das Geschick des Landes und der Menschen bestimmten. Sie brachten den Reichtum für den Bau prächtiger Burgen und Schlösser, wie zum Beispiel Augustusburg, dem Jagd und Lustschloß des Kurfürsten August I. von Sachsen. Der Bergbau lieferte aber nicht nur Silber sondern auch eine unendliche Vielfalt von Motiven, die Bergleute an ihren Feierabenden künstlerisch umsetzten. Als dann ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Vorkommen erschöpft waren und sich der Bergbau immer mehr zurückentwickelte, wurde die Drechselei und Schnitzerei zur neuen Existenzgrundlage für die Bergleute. So entstanden einzigartige Techniken, wie die Reifendreherei. Holzspielzeug aus Seiffen Tradition des Weihnachtslandes geht in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück Von unserer Mitarbeiterin Kathleen Hälsig Wenn man den Begriff Seiffen hört, bringt man ihn sicher mit Erzgebirge, Schnitzverein, Spielzeug, Pyramiden, Räuchermänner Nußknacker, einfach mit Weihnachten in Verbindung. Die Geschichte Seiffens beginnt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als die Mittelgebirgsschwelle zwischen Böhmen und Mark Meißen noch Miriquidi hieß. Nachdem Silber in Freiberg gefunden wurde, begann man auch mit der bergmännischen Erschließung des Gebietes um Seiffen. Das Gebiet wurde besiedelt. Nicht nur an den Stellen, wo man Silber vermutete, sondern auch an anderen Plätzen, wie zum Beispiel Gebirgsbäche mit Zinngraupen. Der Ortsname Seiffen geht vermutlich auf das Wort „Ausseifen“ von Zinngraupen zurück. 1324 wurde Seiffen erstmals urkundlich erwähnt. Es entstanden Bergwerke, in denen mit Schlägel und Eisen Zinnerz abgebaut wurde. Im Jahre 1600 bekam das Vasallenbergamt seinen Sitz für das Saydaer Gebiet in Seiffen. Jedoch der Zinnbergbau ging zurück. Grund dafür waren. technische Erschwernisse und sinkende Weltmarktpreise für Edel und Buntmetall. 1849 schloß das letzte Bergwerk im Seiffener Bergbaugebiet, und das Bergamt wurde aufgelöst. Dennoch hat der Bergbau bis heute seine Spuren im Seiffner Ortsbild hinterlassen. Noch heute ist es möglich, ein original eingerichtetes Bergmannhaus zu besichtigen oder im Freilichtmuseum in ein Spielzeugmacherwohnhaus zu gehen. Zu Hause übten die Bergleute ihre handwerklichen Fähigkeiten beim Schnitzen und Basteln aus. Mit Hilfe eines scharfen Messers wurden Gebrauchsgegenstände wie Löffel oder Holzspielzeug für die Kinder angefertigt. Die erste figürliche Darstellung war ein Bergmann mit gefüllter Erzmulde auf der Schulter und einem Grubenlicht in der Hand. Zu dem Bergmann gesellte sich die Bergmanusfrau im Festkleid als lichtertragender Engel hinzu. Beide Figuren zeigen die Sehnsucht des Bergmanns nach Licht, Wärme und Geborgenheit. Im Laufe der Zeit wurden die beiden Figuren das Sinnbild für die erzgebirgische Lichterweihnacht. Die Schnitzerei war überwiegend im Westerzgebirge verbreitet. Für das östliche Erzgebirge bildete sich durch die Drechseltechnik die gewerbliche Holzwarenproduktion heraus. Von den ersten Holzdrechslern 1644 in Seiffen wurden unter anderem gedrechselte Puppen angefertigt. Der Seiffner Leinwandhändler JOHANN FRIEDRICH HIEMANN hatte 1699 die Idee, die Drechselwaren auf der Leipziger Messe anzubieten. Trotz guten Absatzes und wachsender Nachfrage ging die Holzwarenproduktion in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Grund dafür war der Aufschwung des Seiffner Bergbaus der somit alle Arbeitskräfte band. Nur der Drechsler Andreas HIEMANN führte die Holzbearbeitung weiterhin fort. Nachdem der Bergbau jedoch nicht mehr existierte, führte er die Leute wieder zum Holzgewerbe zurück. Im Jahre 1760 FUHR CHRISTIAN ANDREAS HIEMANN zur Leipziger Messe und bot dort die Seiffner Drechselwaren an. Mit vielen Bestellungen kam er zurück, so daß es kaum mit der herkömmlichen Technik möglich war, alle Bestellungen zu erfüllen. Das Bergamt zeigte sich einsichtig und genehmigte, den Wasserradantrieb der ruhenden Pochstätte im Seiffenbachtal zum Antrieb der Drehladen umzurüsten. Diese Stelle wurde mit sieben vermietbaren Drehstühlen eingerichtet. Immer mehr entwickelte sich Seiffen zur Holzwarenproduktionsstätte. Zwischenhändler und Verleger übernahmen den Absatz. Händler aus Waldkirchen und Grünhainichen hatten Verbindung zu Großhändlern in Nürnberg. Durch sie öffnete sich für die Seiffner Drechselwaren der europäische Markt, aber auch der Weltmarkt. Die Drechselwaren hatten ein vielseitiges Sortiment. Besonders beliebt waren Holzspielzeug und nutzbare Geräte wie Nähkästchen und Nußknacker. Und andres trocknes Zugemüse Brennstoffhandel vor 150 Jahren Geschichtsunterricht bei Adrian Ludwig Richter Woher wollen wir wissen wie es bei uns vor 150 Jahren aussah? Kein Video, kein Film, kein Foto hat uns ein Abbild überliefert. Wir sind auf literarische Quellen angewiesen, auf Berichte, Erzählungen, Novellen. Aber da sind viele subjektive Momente eingeflossen. Das Wort kann die Realität nur ungenau wiedergeben. Da ist es auch für den Heimatforscher eine erfreuliche Tatsache zu wissen, daß es schon damals Künstler gab, die sich nicht nur den Ahnengalerien von Edelleuten und Fürsten widmeten, kirchliche Motive in hoher Vollendung schufen oder ihren Unterhalt dadurch sicherten, daß sie heroische Schlachtenbilder von Kriegshandlungen im Ölgemälde festhielten. Einer dieser Männer aus dem Volke, der für das Volk zeichnete und malte, ist der Dresdener ADRIAN LUDWIG RICHTER (1803 bis 1884). Ihm verdanken wir schlichte Bilder vom Leben der Ackerbürger, Handwerker, Bauern, der Fuhrleute und Elbfischer, aber auch der Alten besitzen, die uns viele Einzelheiten dokumentieren über ihre Kleidung, ihr Arbeitsgerät, ihre Gepflogenheiten und Sitten, den Tagesablauf, ihre Feste und kleinen Freuden. Jedoch auch die Armut, Verlassenheit, die Not brachte er nahe. Das sind reale Zeitzeugen von hohem Wert. Da ist zum Beispiel ein Holzschnitt LUDWIG RICHTERS, der etwa um 1840 entstand. Zwei Geschwisterkinder stehen vor einem Schuppen. Schon von der Kleidung her hat sie der Künstler sozial eingestuft: Das Mädchen hat viel zu große Babuschen an den Barfußbeinen, wahrscheinlich zum Ausgehen von der Großmutter entliehen, das rechte Hosenbein des Jungen zeugt von kühner Gelassenheit in Bezug auf Mode und Kleiderordnung. Selbstgesponnenes Leinen ist der Rohstoff für die grobgewebten Kleidungsstücke. In der Hand halten beide einen irdenen Krug mit hölzernem Löffel; sicher sind sie unterwegs, um bei einem Nachbarn, der heute schlachtet, Wurstbrühe zu ergattern. Manche ältere Leser wissen noch aus den Jahren 1945 bis 1948 welche Köstlichkeit das sein konnte! Der Zehnjährige, der schon des Lesens und Schreibens kundig ist (erst 1835 wurde in Sachsen die allgemeine Schulpflicht eingeführt), teilt seiner andächtig zuhörenden Schwester mit, was da am Fensterladen angeschrieben ist. „Hier ist zu haben Holz Steinkohlen Sägespähne und andres trocknes Zugemüse“. Also: das Firmenschild eines Kleinhändlers, der in einer Gasse der Vorstadt Brennmaterial verkauft. In einem Schuppen hat sich der „Jungunternehmer“ etabliert und vertreibt hier all die Waren, die der Städter benötigt, um den stets hungrigen Küchenherd zu füttern und den Kachelhofen im Winter auf wohlige Wärme zu bringen. Der bekannte sächsische Maler, Zeichner und Illustrator Adrian Ludwig Richter zeichnete um 1840 diese Szene vor einer Brennstoffhandlung. Kein Gedanke an Erdgas, Heizöl Feuerheizung, EltNachtspeicherofen, Solarenergie oder anderen heutigen Komfort. Für die damals noch vorhandenen Analphabeten hat der mittelständische Unternehmer ein Holzscheit und ein Stück Steinkohle über die Krakelschrift gehängt; das verstand jeder. Kohle wurde seinerzeit bereits im Zwickauer Areal und im Plauenschen Grund bei Dresden abgebaut und mit Pferdefuhrwerken über Land verfrachtet. Alles was irgendwie brennbar war, wurde verheizt: Holz, Kohle und Sägespäne sind uns klar, aber was ist das „trokne Zugemüse“? Der Ausdruck ist den Eßgepflogenheiten entlehnt. Neben dem Hauptgericht, einem Brei aus Getreidekörnern unter Zusatz von etwas Fett/Milch/Eiern/Fleisch (falls vorhanden) gab es als Zugemüse Kraut, Kohl, Möhren oder ähnliches seit dem 18. Jahrhundert auch Kartoffeln. In unserem Falle meint man mit Zugemüse im übertragenen Sinne all das, was man außer Holzscheiten und Kohle als Heizmaterial verwenden konnte: Rinde aus dem Sägewerk, kleingehacktes, getrocknetes Strauchwerk oder Reisig, Hobelspäne, Zimmermannshacker, Fichten oder Kiefernzapfen, getrocknete Torfziegel. Es ist bekannt, daß manche Völkerschaften noch heute mangels anderer Ressourcen Dornsträucher, trockenen Kamelmist oder Kuhfladen, Sonnenblumenstengel und anderes verfeuern. Fast immer hat Ludwig Richter auf seinen Bildern Tiere mit dargestellt; hier ist es die Katze auf dem Fenstersims, die sich putzt. Der Künstler liebte es auch, seinen Bildern einen Sinngehalt zu unterlegen. Vielleicht hat er hier die Brennstofflhandlung mit dem Trachten der Kinder nach der „Metzelsuppe“ nach etwas Eßbarem, nach „Brennstoff“ für den Magen im Sinn gehabt? HEILIGER ABEND CRISTVESPER GEORGENKIRCHE FLÖHA LIEDBLATT ZUM KRIPPENSPIEL Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind. Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus, geht auf allen Wegen mit uns ein und aus. Ist auch mir zur Seite still und unerkannt, daß es treu mich leite an der lieben Hand. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein wird in aller Welt gedacht, ihn preise, was durch Jesus Christ im Himmel und auf Erden ist. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich seinen Sohn. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führt und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr. Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frau'n, kommet das liebliche Kindlein zu schaun. Christus, der Herr ist heute geboren, den Gott zum Heiland euch hat erkoren. Fürchtet euch nicht. Lasset uns sehen in Bethlehems Stall, was uns verheißen der himmlische Schall, was wir dort finden, lasset uns künden, lasset uns preisen in frommen Weisen. Halleluja. Wahrlich die Engel verkündigen heut Bethlehems Hirtenvolk gar große Freud. Nun soll es werden Frieden auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen. Ehre sei Gott. Vom Himmel hoch, da komm ich her. Ich bring’ euch gute, neue Mär, der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will. Euch ist ein Kindlein heut gebor'n von einer Jungfrau auserkor'n; ein Kindelein so zart und fein, das soll euer Freud und Wonne sein. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führ'n aus aller Not, er will euer Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend nackt und blo6 in einem Krippelein. Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis. Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar, holder Knabe im lockigen Haar. Schlaf in himmlischer Ruh. Stille Nacht, heilige Nacht, Hirten erst kund gemacht. Durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter ist da. Stille Nacht, heilige Nacht, Gottes Sohn, O wie lacht Lieb aus seinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ in deiner Geburt. O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren. Freue dich, o Christenheit. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Christ ist erschienen, uns zu versöhnen. Freue dich, o Christenheit. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue dich, o Christenheit. Gesunder Ausgleich nach den Festtagen Bewegung in freier Natur Wanderempfehlungen für Weihnachten in der Region Von unserem Mitarbeiter Siegfried Schönherr FLÖHA. Als diese Zeilen geschrieben wurden, hatte sich die Natur in der Region in ein weißes Kleid gehüllt. Bliebe der Schnee liegen, könnte er einen weihnachtlichen Rahmen bilden. Jung und alt würden sich darüber freuen. In keiner anderen deutschen Landschaft wird das Weihnachtsfest inniger als im Erzgebirge gefeiert. Längst sind Pyramiden, Räuchermänner, Engel, Bergmänner und vieles andere aus der Enge der Kisten und Schachteln befreit worden und erstrahlen im Schein der Kerzen. Das Sinnen und Trachten der Menschen richtet sich auf das Weihnachtsfest, das heute beginnt. In den Familien sind vielfältige Vorbereitungen getroffen worden. Nach alten Bräuchen und Ritualen wird an den Festtagen gegessen. Gegen EinmalüberdieSträngeSchlagen ist nichts einzuwenden. Die Gesundheit sollte aber stets im Auge behalten werden. Den Fettpölsterchen am Leibe kann man durch Bewegung nicht begegnen. Man kann aber durch die Bewegung und den Sauerstoff den Kreislauf, die Lunge und das Herz festigen. Kurzum, man kann seinem Körper etwas Gutes tun. „Freie Presse“ schlägt sechs Rundkurse im Verbreitungsgebiet vor. So können zum Beispiel Erdmannsdorfer am Poetenweg in den vorgeschlagenen Rundkurs einsteigen. Denkbar wäre, daß die Grünhainichener und Borstendorfer im Flöhatal in die Spur gehen. Die Distanzen können verkürzt, aber auch verlängert werden. Ein großer Teil der Wanderwege ist markiert. Die Ortskenntnisse der Leser werden bei der Darstellung vorausgesetzt. Die Wege wurden so ausgewählt, daß neben dem Naturerlebnis besonders Sehenswertes angelaufen wird. Von exponierten Aussichtspunkten jeder Tour ist bei halbwegs günstigem Wetter die Krone des Erzgebirges, das Schloß Augustusburg, zu sehen. Sie ist ein besonderes Juwel unserer Heimat. Hier die Wandervorschläge: Ausgangspunkt Franzosenfriedhof Augustusburg neun Kilometer: Naturlehrpfad über Kunnerstein Erdmannsdorf Poetenweg in Richtung Flöha AntonGüntherWeg in Richtung Flöha Hauptweg zum Plaubergweg Richtung Grünberg zurück nach Augustusburg. Tip: Lohnenswert bei dieser Tour ist das Betrachten der 17 Tafeln des Naturlehrpfades. Den Blick auf Flöha ins Becken gleichen Namens vom Hauptweg in Richtung Plaubergweg sollte man sich nicht entgehen lassen. Ausgangspunkt Radwegbrücke über die Flöha neun Kilometer: Radweg Flöha Braunsdorf Finkenmühle danach Finkenmühlenweg aufwärts bis Straße Braunsdorf Altenhain Abstecher zum Dreischlösserblick am Altenhainer Steinberg südliche Häuser von Altenhain Straße am Frauenholz bis zur Mülldeponie Pfarrwald Verbindungsweg HausdorfFlöha durch das neue Wohngebiet Hausdorfer Straße zurück nach Flöha. Tip: Viele Flöhaer werden den neuen Radweg nach Braunsdorf noch nicht kennen. Ein Schmeckerchen besonderer Art ist der Blick vom DreiSchlösserBlick. Ausgangspunkt Rathaus Falkenau neun Kilometer: Über die Straßenbrücke Straße parallel zur Flöha bis zur Dorfstraße 24 Feldweg und ehemalige KAPStraße bis Nordrand des Oedernaer Waldes Skihütte des Sportvereins Mühlbach davor Weg abwärts durch den Zechengrund links ins Schindelbachtal bis DreiBörnerGrund rechts Prallhang hoch zum markierten Weg und diesen in paralleler Richtung bis GustavHauboldSiedlung. Tip: Auf dieser Tour ist von der Skihütte aus in nordwestlicher Richtung der Rochlitzer Berg zu sehen. Ausgangspunkt Markt Oederan zehn Kilometer: Eselsweg Hetzdorf Weg unmittelbar nach der neuen Eisenbahnbrücke aufwärts am stillgelegten Eisenbahnkörper weiter links zur Bastei der Hetzdorfer Schweiz am Osthang des Flöhtals in halber Höhe bis ehemalige Parkettfabrik Metzdorf Mondscheinmühle Breitenau zurück nach Oederan. Tip: Die Wanderer auf dieser Strecke haben die Gelegenheit, die zwei Spannbetonbrücken über das Hetzbach und Flöhatal in Augenschein zu nehmen. Den nicht mehr in Betrieb befindlichen Hetzdorfer Eisenbahnviadukt von der Bastei der Hetzdorfer Schweiz zu betrachten, ist allein die Wanderung wert. Am Wildgehege bleibt jedermann stehen. Ausgangspunkt Albertplatz Eppendorf zehn Kilometer: Pfarrberg Bergmännel Großer Schwarzer Bruch Tannenmühle kurz vor Hammerleubsdorf Kammweg am Gahlenzer Hang Schutzhütte ehemalige Ziegelei Eppendorf Weg an den drei Teichen vorbei ehemaliges Naturbad zurück nach Eppendorf. Tip: Vom Pfarrberg kann man den Blick auf die Gemeinde Eppendorf schweifen lassen. Ausgangspunkt Bahnhof Leubsdorf zehn Kilometer: Floßmühle Leubsdorf Flöhatalweg bis kurz vor Floßmühle Fußgängerbrücke über die Flöha Fuchsturm Scheffelberg Grünhainichen zuruck ins Flöhatal bis nach Leubsdorf. Tip: Die Hänge im Flußtal der Flöha zwischen Leubsdorf und Floßmühle imponieren. Vom Fuchsturm ist der Blick auf die Floßmühle frei. Sieht aus wie 'ne Trauerse ma~_ksK T.Fo. Vater, und dann gab er ihr für die übrigen Utensilien so viel Geld daß er Leo später einen Scheck ausstellen mußte, als der ihm verriet, er wolle eine BildDokument ,Mach's doch besser, du Blödii“ blaffe wine SiehWlUXlSv trat zurück Ihr Vater nahm sie in Schutz: „Ich finde ihn schön“, sagte er. Sicher, die Engel, Nikoläuse und Sterne, die Elke aus Ceramofix gegossen hatte, waren ein wenig zu schwer, zogen die Tannenzweige stark nach unten, aber was machte das schon? Die Krischts wollten Weihnachten eben nicht mehr als Fest des Konsumrauschs feiern, sondern als Fest des bescheidenen, aber liebevollen Schenkens. Deshalb machten sie den Christbaumschmuck, aber auch alle Geschenke selbst. Dabei hatten sie Muße genug, liebevoll an ihre Lieben zu denken. „Was machst du eigentlich für Mama?“ hatte Herr Krischt Elke am Ersten Advent gefragt. „Ich töpf're 'n Erdnußschälchen“, sagte das Mädchen. ,Dazu brauch' ich aber noch Ton Glasurs Töpferscheibe und Brennofen.“ „Brennen kannst du vielleicht im Katholischen Jugendheim“, beriet sie ihr wenstellen, was natürlich ohne vernünftige Kamera einschließlich Tele, Stativ und Blitzlicht nicht zu machen war. Davon, daß eine gute Ausrtüstung das A und O beim Selbelmachen ist, konnte Herr Krischt selbst ein Liedchen singen. Erst nachdem er die passende Werkzeugmaschine angeschafft hatte, gelang es ihm nämlich, vier MahagoniStücken den eleganten Sehwerg und polierten Schliff zu verleihen, die sie benötigten, um Kleiderbügel für die Anzüge des Schwiegervaters zu werden. Wenn Herr Krischt sich bei dieser ungewohnten Arbeit den Daumen klemmte, fluchte er zwar ein wenig, aber er dachte auch viel an den alten Herrn. Ihn beschäftigte zum Beispiel unentwegt die Frage, wozu ein Mann mit achtzig Jahren noch vier Anzüge braucht. Einer reichte doch völlig. Die andern konnte er an arme Leute verschenken. „Aber dazu“, sagte sich Herr Krischt, „ist er natürlich viel zu knausrig, der alte Knickstiebel.“ Nun, am Weihnachtsabend war das alles vergessen! Papa hatte nur noeh ein kleineres Pflaster an der linken Hand, und bei den Krischts sah man nur strahlende Gesichter. Mama freute sich über die Fotos das Ernußschälchen und das von Papa selbstgemixte Parfum, obwohl es ein wenig zu streng nach Dill roch. Papa versprach, die von Mama bemalte Seidenkrawatte schon im nächsten Karneval anzuziehen. Schwiegerpapa freute sich sehr über die Kleiderbügel, jedenfalls in den ersten Sekunden, in denen er sie für handgeschnitzte Bumerangs hielt. Leo freute sich zwar nicht sonderlich über den von Mama gestrickten Norwegerpullover, wohl aber über seine neue Fotoausrüstung. Und Elke freute sich über die prima Töpferscheibe, war allerdings ein ganz klein wenig betrübt darüber, daß man ihr sonst nichts zum Selbermachen gekauft hatte. Gewünscht hatte sie sich einen Scheck zum Selberausfüllen!