Ein jeder Mensch muß seinen Namen haben Quelle Bis ins 12. Jahrhundert waren die Deutschen einnamig Von unserem Mitarbeiter Manfred Blechschmidt Jeder Mensch hat einen Namen der ihn wie ein Markenzeichen durch das Leben hindurch begleitet. Bis ins 12. Jahrhundert hinein waren wir Deutschen einnamig. Bei der Seßhaftigkeit der Bevölkerung reichte der Vorname aus, um sich von anderen unterscheiden zu können. Gelegentlich führte man dem Vatersnamen ein „-sohn“ an. Erst in der weiteren Zeit wurde dem Taufnamen ein zusätzlicher Name angefügt, der „Zuonamen“. Das ging freilich nur allmählich voran, dauerte Jahrhunderte und kam erst im 19. Jahrhundert zum Abschluß. Zu- oder Familiennamen entstanden auf verschiedene Weise. Häufig nannten sich die Personen nach ihrem Vorfahren. Aus Vornamen wurden Familiennamen, wie Hermann, Konrad, Walther, Hertwig. Auch Gewerbe oder Berufe fanden Verwendung: Schmied, Wagner, Schuster, Weber, Büttner und andere. Namensgebend konnte auch der Ort der Herkunft sein, wie Bayer, Sachs, Oberländer, oder Amtsnamen wie Schulz, Münzer, Förster, Vogt. Vom Müller zum Molitor Zur Zeit des Humanismus war es unter den Gelehrten üblich, ihren deutschen Namen zu latinisieren. So wurde aus Müller ein Molitor, aus Bergmann ein Montanus oder aus Fischer ein Piskator. Unter den älteren Namen sind auch solche zu finden, die einer gewissen Komik nicht entbehren. Denkbar wäre, daß sie von Spitz- oder Übernamen abgeleitet wurden und sich zu einem Personennamen entwickelten: Kalbskopf Schönekäs, Gerstenschwein und viele andere. Unter den Handwerkern des Mittelalters war es zum Beispiel Brauch, den Übergang vom Lehrling zum Gesellen mit einem lustigen Taufakt zu feiern. Dabei übergoß man den Täufling mit Wasser, er hatte eine Mutprobe zu bestehen oder mußte sich auf andere Art „des Gesellenstandes würdig erweisen“. Er bekam auch einen neuen Namen, eine Art „Kneipennamen“ für weitere gesellige Zusammenkünfte. Aus Frankfurt am Main ist die Taufrede der Büttner erhalten geblieben. Der „Schleifpfaffe“ der taufende Geselle, sagte in seiner Taufrede unter anderem dem „Ziegenschurz“, so wurde der Täufling genannt: „Wie willst du heißen mit deinem Schleifnamen? Sag mir's nun, wie willst du heißen? Hans Springinsfeld oder Hans Saulaus oder Hans Frißumsonst oder Hans Seltenfröhlich oder Urban-machLeim-warrn oder Valtin Stemmshorn oder was sonst der Namen mehr sind?“ Es ist durchaus keine Ausnahme, daß aus solchen Gesellennamen Familiennamen wurden. Blechschmidts in Bermsgrün Sprachforscher sind der Ansicht, das könnte auch bei den Bergleuten oder Hammerschmieden hierzulande so gewesen sein. Als Beleg führen sie komische Namen an, die in alten Akten von Freiberg und Schneeberg gefunden wurden. Ungeachtet dessen wurden auch aus Spitz- oder Spottnamen Familiennamen, wie Breihaupt, Schmalfuß, Söhnlein, Dürr oder Grohmann. Allerdings haben Spitznamen neben Familiennamen oft ihre sinnvolle Bedeutung. Um 1930 gab es zum Beispiel in Bermsgrün 64 Schulkinder, die Blechschmidt hießen. Hätte man im Ort nach Blechschmidt gefragt, wäre sofort als Antwort gekommen: „Welcher Blechschmidt?“ Es ist auch heute noch so, wer in Bermsgrün nach jemandem fragt, muß den Spitznamen der Familie kennen. Eine Untersuchung im Jahre 1934 in Sosa ergab, daß von 2774 Einwohnern 484 Unger hießen. In Crandorf gibt es viele Escher und in Bockau und Albernau Schwotzer. Der Name ist übrigens abgeleitet vom hochdeutschen „Schwaz“. Die Vorfahren der Schwotzer waren Bergleute, die aus Schwaz nach Schneeberg übersiedelten. Christian Meltzer schreibt in seiner 1716 veröffentlichten Schneeberger Chronik: „Paul Grammeisstädter von Schwaz / einer Stadt / an dem Wasser / Tyrolischer Gegend / und magemein der Schwotzer genannt ... „ Durch die Beifügung „ aus Schwaz“, was anfangs ein Spitzname war, wurde ein Familiennamen. „Ein schlechter Name ist halb gehängt!“ sagt das Sprichwort. Aber - keiner kann sich seinen Namen aussuchen, den Vornamen hat man Vater oder Mutter zu verdanken, der Nachname hängt einem seit Generationen an. Und der muß nicht immer schön sein. Kein Wunder, daß mancher bei Eheschließung den Namen wechselt oder ihm mit dem Namen des Partners und einem Bindestrich einen völlig neuen Klang gibt. Aber ob das dann immer schöner ist ...