Germania ( Germanien), bei den Römern das Land im Norden der Donau und im Osten des Rheins bis zur Weichsel, von den Germanen bewohnt, nach römischen Berichten ein rauhes, sumpfiges Waldland, jedoch reich an Vieh und für den Ackerbau geeignet. Seit Augustus insbesondere Name der militärischen Grenzprovinz am linken Ufer des Rheins, zerfallend in Germania superior mit Mainz und Germania inferior mit Köln als Hauptort. Schilderung des Landes in Tacitus’ „Germania“. Vgl. Norden (1920). - Auch die Personifikation Deutschlands: eine edle Frau im Waffenschmuck; bildlich dargestellt z. B. von Lorenz Clasen, plastisch bes. von Schilling auf dem Niederwald- Denkmal. Germanen (lat. Germani; Ursprung und Bedeutung des Namens ungewiß, vielleicht „Nachbarn“ oder „Rufer im Streit“), bei den Römern die Bewohner von Germania (s.d.), jetzt Gesamtname aller zum german. Sprachstamm (siehe german. Sprachen) der indogermanischen Völkerfamilie (siehe Indogermanen) gehörigen Völker: Deutsche, Niederländer, Skandinavier, Engländer (und Nordamerikaner). Die Germanen stießen zuerst Ende des zweiten Jahrhunderts vor Christus mit den Römern zusammen. Unter Augustus faßten die Römer rechts vom Rhein durch die Feldzüge des Drufus (12.-9.) festen Fuß, wurden aber nach der Niederlage des Barus im Teutoburger Walde ( 9 nach Christus) Cheruskerfürsten Arminius wieder über den Rhein zurückgedrängt und und behaupteten jenseits des selben nur Dekumatischen Äcker. Seit dem dritten Jahrhundert bildeten sich unter den Westgermanen aus den Stämmen der Herminionen, Istävonen und Ingävonen neue große Völkerbünde; die Alemanen breiteten sich vom Main bis an die Alpen aus, die Franken am Main, am mittleren und unteren Rhein; aus den Markomannen, Duaden und anderen bildeten sich die Bayern, sitzend zwischen Lech und der Avarengrenze; an der Weser und unteren Elbe treten die Sachsen hervor; von Letzteren zogen im 5. Jahrhundert Eroberer nach Britannien und gründeten dort germanische (angelsächsische) Reiche. Die ganz für sich stehenden Nord-G. in Skandinavien waren dem Altertum wenig bekannt. Die Ost-Germanen (Goten, Burgunder, Bandalen), die zum Teil schon im 3. Jh. Einfälle ins römische Reich gemacht hatten, setzten sich im 4. Jh., von den Hunnen gedrängt, in Bewegung (Völkerwanderung) und gründeten auf den Trümmern des Weströmischen Reiches german. Staaten in Italien, Gallien, Spanien, Nordafrika, gingen aber durch Kriege oder Romanisierung unter. Auch die Franken, die unter den Merowingern die meisten westgerman. Völkerschaften zu dem großen Fränkischen Reich vereinigten und das nördliche Gallien eroberten, wurden dort romanisiert, nur in Deutschland behaupteten sie ihr Nationalität. Erst spät bildeten sich hier die Niederländer als eigene Nation heraus.