Vom Templergold bis zu Honeckers Fluch(t) Heute ist Freitag der 13.: Warum es das Unglücksdatum im Oktober in sich hat - Zahlenmystik und Mathematik VON MARIO ULBRICH Chemnitz. Zwischen den Tempelrittern und Erich Honecker liegen fast acht Jahrhunderte. Trotzdem haben sic etwas gemeinsam: Sic hatten Pech an einem Freitag dem 13. Der schlimmste Tag eines Jahres, oder? Dietmar Reimann, der Leipziger Schausucher, der im Poppenwald bei Hartenstein nach dem legendären Bernsteinzimmer gräbt, versucht das Beste draus zu machen. Nach seinen Vorhaben befragt, hatte er in diesem Sommer stets eine nebulöse Antwort parat: „Na ja, es gibt da einen ganz besonderen Tag...“ jetzt ist der Tag gekommen. Freitag der 13. Ein Datum, das mit einer Menge Aberglaube behaftet ist. Auch im Fall Bernsteinzimmer: Am Freitag, dem 13. April 194 5, soll der verlorene Schatz im Poppenwald unter vielen Tonnen Stein begraben worden sein. Da wäre Freitag, der 13. Oktober 2000, eigentlich ein guter Tag, um ihn wieder auszubuddeln. Auch Mike Bischhof aus Zwickau ist so eine Art Schatzsucher. Er jagt sein Glück an der Börse. Bloß heute nicht. Am Freitag dem 13. bleibt sein Computer aus. Da kauft oder verkauft er keine Wertpapiere, es könnte ja schiefgehen. ,,Der schwarze Freitag an der Wallstreet war ein 13.“, erinnert sich Bischhof Am 13. Mai 1927 sackten an der New Yorker Börse die Kurse ins Bodenlose, und draußen regnete es Broker: Etliche Spekulanten, die sich gründlich vertan hatten, stürzten sich aus den Wolkenkratzerfenstern und rissen unten harmlose Passanten mit in den Tod. „Es ist nicht so, dass wir hier in Zwickau besonders große Hochhäuser haben“, meint der Hobby-Aktienhändler. Aber man kann ja nie wissen.“ Also Finger weg. Zumal es der heutige Tag in sich hat. Es ist nicht einfach Freitag der 13. Es ist Freitag, der 13. Oktober. Mit diesem Datum hat alles angefangen. Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ Frankreichs König Philipp 1V. die Angehörigen des Templerordens in Paris gefangen nehmen. Kein schöner Morgen für die frommen Brüder, die an diesem Tag wegen Ketzerei angeklagt worden sind. Der einst mächtige Ritterorden ist danach rasch zusammengebrochen, und Freitag der 13. gilt seitdem als Unglückstag. Jeder Freitag, der auf den 13. eines Monats W1t, hat diesen schlechten Ruf. Aber Freitag, der 13. Oktober, ist gewissermaßen das französische Original. Ein Datum, das nur alle Jubeljahre wiederkehrt. Das letzte Mal 1995, das nächste Mal 2006. Dem französischen König ging es übrigens ebenfalls um einen Schatz. Er wollte sich das Gold der Templer unter den Nagel reißen. Glück hatte er dabei nicht. Die Reichtümer des Ordens sind verschollen, so wie das Bernsteinzimmer oder die Dollarmilliarden vom Börsencrash. Freitag der 13. ist offenbar schlecht fürs Geld. Demzufolge wären Dietmar Reimanns Hoffnungen übertrieben und Mike Bischhofs Vorsicht angemessen? Nicht ganz, meint Computerfachmann Lothar Fröhling aus Mittelnkirchen bei München, der sich auf Datenbankrecherchen spezialisiert hat. ,,Wir sollten Francis Drake nicht vergessen.“ Von seiner Weltumseglung mit der ‚Golden Hind’ kehrte der ehemalige Freibeuter mit Reichtümern beladen nach England zurück. Europa verdankt ihm die Kartoffel und den Tabak. Gestartet hatte Drake seine Weltreise 1577 - am Freitag, dem 13. Dezember. Es gibt also auch glückliche Fügungen am Unglückstag. Sogar mehr als man denkt. Für eine Tagung des bundesweiten Arbeitskreises Glücksspielsucht hatte Lothar Fröhling seine Rechner heiß laufen lassen und einen Wust an Freitagsereignissen untersucht. Sein augenzwinkerndes Fazit: „Die positiv zu wertenden Geschehnisse überwogen.“ Am 13. Mai 1987 beispielsweise wurde im englischen Fernsehen erstmals Kondomreklame gezeigt. Am 13. Dezember 1991 flüchtete der frühere Staatsund Parteichef der DDR, Erich Honecker, in die chilenische Botschaft in Moskau. Er bekam kein Asyl und musste zurück in die Bundesrepublik: ,,Honni als letzter DDR-Flüchtling ohne Ausreisegenehmigung ... eine Ironie des Schicksals“. Fröhling hat seine Statistik 1998 erstellt, einem Jahr, das durch scheinbar übermäßig viele ,,schwarze Freitage“ aufgefallen ist: Im Februar, März und November gab es das berüchtigte Datum. Für Mathematiker wie den Chemnitzer Professor Eberhard Lanckau ist das nichts Besonderes. Dank wissenschaftlicher Formeln wissen sie: Freitag den 13. gibt es in jedem Jahr mindestens ein- und höchstens dreimal. Lanckau hat darüber hinaus die Probe aufs (Rechen) Exempel gemacht und herausgefunden, dass Freitag der 13. ebenso häufig ist, wie Donnerstag der 13. oder Montag ... „Unser Kalender ist bemerkenswert ausgewogen“, sagt Eberhard Lanckau - Dank jahrtausende alter Bemühungen von Naturwissenschaftlern und Theologen.“ Also nichts da mit höheren Mächten? Schwarzseher Bischhof jedenfalls wird heute wenigstens mal nach den Aktienkursen gucken ... vorsichtshalber, er könnte ja den großen Wurf verpassen. Optimist Reimann hingegen macht seine Ankündigung nicht wahr: Heute wird im Poppenwald nicht gegraben. Ebenfalls vorsichtshalber ... Man kann ja nie wissen, was dran ist an dem bösem Omen vom Freitag, dem 13. Oktober.